Sven Giegold informiert sich persönlich über die gelungene Haßfurter Energiewende. Wie kann eine nachhaltige Energieversorgung nicht nur technisch funktionieren, sondern zugleich wirtschaftlich erfolgreich sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich Sven Giegold, stellvertretender Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei einem Besuch der Stadtwerke Haßfurt. Gemeinsam mit Prof. Daniel Hofer von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt informierte er sich ausführlich über die technischen und wirtschaftlichen Konzepte der Haßfurter Energieversorgung.
Im Mittelpunkt stand zunächst eine Besichtigung der Power-to-Gas-Anlage. Dabei ließen sich die Gäste die Funktionsweise der Anlage und ihre Einbindung in das Gesamtkonzept der Stadtwerke erläutern. In einer anschließenden Gesprächsrunde wurden die Erfahrungen aus dem Haßfurter Leuchtturmprojekt und die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Energiewende diskutiert.
Giegold, der von 2009 bis 2021 dem Europäischen Parlament angehörte und anschließend als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium tätig war, zeigte großes Interesse an den Erfahrungen vor Ort. Mit zahlreichen Detailfragen und eigenen fachlichen Beiträgen entwickelte sich eine intensive Diskussion über Technik, Netze, Regulierung und Wirtschaftlichkeit.
Aus Sicht Giegolds ist gerade die wirtschaftliche Seite entscheidend für den Erfolg der Energiewende. „Wenn wir uns die Strompreise nicht leisten können, dann nützt uns die schönste Idee nichts“, betonte der stellvertretende Grünen-Vorsitzende. Klimaschutz, Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie müssten deshalb gemeinsam gedacht werden.
Norbert Zösch, Aufsichtsrat des Regionalwerks Haßberge, verwies auf die Erfahrungen, die in Haßfurt bereits gesammelt wurden und künftig verstärkt für eine regionale Energieversorgung im gesamten Landkreis genutzt werden sollen. Zugleich machte er auf Hindernisse aufmerksam: „Bürokratie, Gesetzesdschungel und fehlender Netzausbau behindern unsere zügige Entwicklung hin zu einer kostengünstigen, nachhaltigen und regionalen Energieversorgung.“
Giegold kündigte an, die zahlreichen Anregungen aus Haßfurt in seine weitere politische Arbeit mitzunehmen. Gerade erfolgreiche Projekte vor Ort könnten wichtige Hinweise dafür liefern, wie die gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine dezentrale Energiewende und eine stärkere Nutzung heimischer erneuerbarer Energien weiterentwickelt werden können.
Zum Abschluss hatte Markus Kuhn vom Vorstand des Grünen-Ortsverbands Haßfurt Gelegenheit zu einem kurzen politischen Austausch mit Giegold. Dabei ging es insbesondere um die Situation ländlich geprägter Regionen. „Gerade in ländlichen Wahlkreisen brauchen wir konkrete und überzeugende Antworten in der Landwirtschafts- und Energiepolitik. Wenn wir bei den Wählerinnen und Wählern weiterhin Zustimmung erreichen wollen, müssen unsere Vorschläge im Alltag der Menschen vor Ort funktionieren“, so der Co-Vorsitzende.
Der Besuch zeigte, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen kommunalen Praktikern und der Bundespolitik sein kann. Die in Haßfurt gewonnenen Erfahrungen bieten dabei reichlich Stoff für die weitere Diskussion über eine bezahlbare, regionale und nachhaltige Energieversorgung.
(Foto, von links: Daniel Hofer, Norbert Zösch, Markus Kuhn, Gast-Studenten der FHWS, Sven Giegold)
Text/Foto: mk