Rückblick: „Prostitution – Freiheit für wen?“ Veranstaltung im Casino Filmtheater Aschaffenburg, 28. September

Unter dem Titel „Prostitution – Freiheit für wen? Verantwortung, Nachfrage und neue politische Antworten“ lud Kerstin Celina MdL am Montagabend ins Casino Filmtheater Aschaffenburg ein – nach Würzburg die zweite Veranstaltung in einer Reihe, die sich kritisch mit der Ausgestaltung von Prostitution in Deutschland auseinandersetzt. MdB Niklas Wagener und MdL Kerstin Celina übernahmen die Begrüssung und die Einführung.

Referentin des Abends war Kerstin Neuhaus vom Bundesverband „Nordisches Modell“. Aus ihrer langjährigen Praxisarbeit als Sozialarbeiterin mit prostituierten Frauen in Berlin und Augsburg berichtete sie eindrücklich: Das gesetzliche Ziel, Prostitution als Tätigkeit selbstbestimmter Frauen im Hellfeld zu etablieren, wurde nie erreicht. Vielmehr geht die aktuelle Gesetzeslage zulasten von Frauen aus prekären Verhältnissen, meist mit Migrationshintergrund. Große Teile der Einnahmen verbleiben in der organisierten Kriminalität, und das Risiko, von einem „Kunden“ verletzt oder getötet zu werden, ist deutlich höher als in anderen Berufen. Durch Internet-Anbahnung und -Bewertung sowie die Verlagerung in die Wohnungsprostitution hat sich die Situation der meisten Frauen in den letzten Jahren sogar verschlechtert.

Im Zentrum der anschließenden Diskussionsrunde stand die Frage, welche Verantwortung Staat und Gesellschaft – insbesondere in Bezug auf Nachfrage, Schutz und Menschenwürde – tragen. Mit Daniel Seeburg, Kriminaloberrat und stellvertretender Dienststellenleiter der Kriminalpolizeiinspektion Würzburg, sowie Wolfgang Fink, langjähriger Ermittler im Bereich Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg, brachten zwei Praktiker die Perspektive der Strafverfolgung ein. Beide bestätigten aus ihrer Berufserfahrung, dass Legalisierung eben nicht Schutz der Prostituierten bedeutet.

Die Diskussion war breitgefächert, eine Lehrerin fragte, was man tun könne, wenn man vermute, ein Kind leide unter der Prostitutionstätigkeit der Mutter. Diskutiert wurde auch die Frage, welche Folgen es hätte, wenn das „Nordische Modell“ umgesetzt würde, und nicht die Frauen kriminalisiert werden, sondern die Freier. Auch ein „bekennender Freier“ und eine Prostituierte meldeten sich ausführich zu Wort. Deutlicher Konsens des Abends: So kann es nicht weitergehen – es braucht eine grundlegende Neuausrichtung der Prostitutionspolitik in Deutschland, denn unter der jetzige Gesetzeslage ist Prostitution nach wie vor zum grössten Teil im Dunkelfeld und es profitiert die organisierte Kriminalität.

Kerstin Celina bietet gern weitere Veranstaltungen bei Orts- und Kreisverbänden an!

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