Landtagsabgeordnete Kerstin Celina und Bezirksrat Gerhard Müller besuchen den Weltladen Würzburg

Bezirksrat Gerhard Müller (2.v.li) und Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (rechts) besuchten den Würzburger Weltladen.

Würzburg (Kerstin Celina). Es ist ein Besuch mit persönlicher Geschichte: Die GRÜNE Landtagsabgeordnete Celina und der Bezirksrat Müller haben den Weltladen Würzburg in der Plattnerstraße zum ausführlichen Austausch besucht. Für beide ist der Ort weit mehr als ein Fachgeschäft für fair gehandelte Produkte. Hier haben sie sich vor rund 38 Jahren – etwa 1988 – kennengelernt. Beide engagierten sich damals selbst im Eine-Welt-Bereich, arbeiteten bei Aktionen, in der Organisation und auch im Verkauf mit.
„Dass wir uns ausgerechnet hier kennengelernt haben und heute gemeinsam als Politikerinnen wieder im Weltladen stehen, schließt für mich einen besonderen Kreis“, sagt Celina „Damals ging es uns schon um die Frage, wie wir Globalisierung gerechter gestalten können. Diese Frage ist heute aktueller denn je.“

Von der „Dritten Welt“ zum Fairen Handel

Der Würzburger Weltladen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1977 wurde er als „Infomarkt Dritte Welt“ gegründet. Zwei Jahre später entstand mit der „Initiative Dritte Welt e.V.“ der Trägerverein, der heute als Initiative Eine Welt e.V. firmiert.
Die Gründungsidee war von Anfang an politisch: Der Laden sollte nicht nur Waren verkaufen, sondern zeigen, dass andere Formen des Wirtschaftens möglich sind. Fairer Handel sollte Produzentinnen im Globalen Süden bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen ermöglichen und zugleich Verbraucherinnen für die Folgen ihres Konsums sensibilisieren.
Auch das Eine-Welt-Forum Würzburg entstand 1988. Rund 15 entwicklungspolitisch aktive Gruppen schlossen sich damals zusammen, um ihre Arbeit zu koordinieren. Heute gehören dem Forum rund 25 Gruppen und Verbände an, die sich unter anderem für Menschenrechte, globalen Umweltschutz und soziale Gleichstellung einsetzen, erläutert Bildungsreferentin Lea Pfeifer.
Für Celina und Müller ist diese Geschichte auch ein Beispiel dafür, welche Bedeutung ehrenamtliches politisches Engagement haben kann.
„Wir waren damals junge Menschen, die überzeugt waren, dass man nicht einfach akzeptieren darf, dass Menschen am Anfang globaler Lieferketten unter schlechten Bedingungen arbeiten, während andere am Ende daran verdienen“, erinnert sich Müller. „Dass aus solchen Initiativen sehr langfristige Strukturen entstehen können, ist beeindruckend.“

Ehrenamt bleibt das Rückgrat

Heute ist der Weltladen Würzburg professioneller aufgestellt als zu seinen Anfangszeiten – sein Fundament ist aber weiterhin das ehrenamtliche Engagement. „Mehr als 50 Ehrenamtliche einen großen Teil der Ladenarbeit. Sie übernehmen unter anderem Verkaufsschichten, organisieren Veranstaltungen, gestalten Schaufenster, kümmern sich um Bücher und Ausstellungen oder wirken bei Aktionen im öffentlichen Raum mit“ sagt Geschäftsführerin Maria Sauter.
Der Trägerverein wird durch einen Initiativkreis gesteuert, der über organisatorische und inhaltliche Fragen entscheidet, Projekte unterstützt sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
„Ohne die vielen Menschen, die hier Woche für Woche freiwillig Verantwortung übernehmen, würde dieser Laden nicht funktionieren“, sagt Celina „Beides ist wichtig: Einkaufen und Mitmachen“.  

Fairer Handel ist heute mehr als Kaffee, Bananen und Schokolade

Das Sortiment hat sich seit den Anfängen erheblich verändert. Neben Lebensmitteln und Kunsthandwerk gibt es heute unter anderem faire Kleidung, Bücher und das Würzburger Partnerkaffee-Angebot. Hinzu kommen Bildungsangebote, Vorträge, Workshops, Ausstellungen und konsumkritische Stadtrundgänge.
Der Weltladen Würzburg versteht sich ausdrücklich auch als Bildungsort, Ort politischer Kampagnenarbeit und Begegnungsstätte.
„Wir wollen Menschen auch erklären, warum faire Preise notwendig sind, welche Bedingungen hinter einem Produkt stehen und welche politischen Rahmenbedingungen sich verändern müssen. Die Herausforderungen sind eher größer geworden, übrigens auch durch Extremwetterereignisse und Dürren, die unsere Partner im globalen Süden ebenfalls betreffen und zu Ernteausfällen führen“ sagt Sprecherin Brigitte Kirsten.
Die Weltladen-Bewegung ist heute größer als zu den Anfangszeiten. In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 900 Weltläden, in denen sich rund 30.000 Menschen engagieren – überwiegend ehrenamtlich.
Gleichzeitig stehen die Weltläden vor neuen Herausforderungen. Fair gehandelte Produkte sind inzwischen auch in Supermärkten und Discountern erhältlich. Damit stellt sich für Fachgeschäfte die Frage, welchen besonderen Mehrwert sie bieten können. Hinzu kommen steigende Kosten, z. B 2024 für Kakao und damit auch für Schokolade, verändertes Einkaufsverhalten und die Konkurrenz des Onlinehandels.
„Ich habe hier vor knapp vierzig Jahren sehr viel gelernt und tolle Menschen kennengelernt. Das hat mich geprägt“ sagt Müller. 
„Fairer Handel ist heute kein Nischenthema mehr, sondern generell ein wichtiges Argument beim Verkauf „, so Celina.
Auch der Weltladen-Dachverband beschreibt Weltläden heute ausdrücklich als Geschäfte, Lernorte, Plattformen für politischen Dialog und Begegnungsstätten. Die aktuellen Kampagnen richten den Blick beispielsweise auf globale Lieferketten, Einkommen von Produzentinnen und Arbeitsbedingungen. Beim Weltladentag 2026 stand unter dem Motto „Fair fruchtet!“ die Situation von Menschen im Mittelpunkt, die Bananen, Orangen, Mangos und andere Früchte anbauen und ernten.
„Die Idee ist geblieben – die Aufgaben sind größer geworden“ sagt Sprecherin Ulrike Mann-Rösemeier.
„Wir haben vor Jahrzehnten angefangen, weil wir zeigen wollten, dass Welthandel auch anders funktionieren kann. Heute wissen wir viel mehr über globale Lieferketten, Klimawandel und Arbeitsbedingungen. Die Probleme sind komplexer geworden – aber die Grundidee ist dieselbe geblieben: Menschen sollen von ihrer Arbeit leben können und nicht ausgebeutet werden.“
Auch für Celina und Müller ist der Besuch deshalb eine Begegnung mit der eigenen politischen Geschichte.
„Wir haben hier gelernt, dass Politik nicht erst im Parlament beginnt“, sagt Müller. „Sie beginnt dort, wo Menschen sich zusammentun, Fragen stellen, Alternativen ausprobieren und beharrlich bleiben.“
Und Celina ergänzt: „Dass wir uns hier vor Jahrzehnten kennengelernt haben und heute beide wieder gemeinsam hier stehen, zeigt auch, wie nachhaltig ehrenamtliches Engagement ist. Der Weltladen Würzburg hat Generationen von Menschen geprägt. Er ist ein Stück Würzburger Zivilgesellschaft – und er wird weiterhin gebraucht.“
Der Weltladen Würzburg befindet sich in der Plattnerstraße 14. Er ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Besuchergruppe im Weltladen Würzburg

Fotos: Initiative Welt Laden

Text: Kerstin Celina

Zwischen Weizenfeldern und Wid…
Engagement für die Partnerscha…