Kürnach. Wie wirkt sich zunehmende Hitze auf die Gesundheit aus? Was können Kommunen tun, um sich auf heißere Sommer vorzubereiten? Und was können wir von Regionen lernen, die seit Generationen mit extremer Hitze und Wasserknappheit umgehen? Um diese Fragen ging es beim zweiten Talkabend „Auf der GRÜNEN Couch“ in Kürnach unter dem Titel „Cool bleiben im (Klima)Wandel“.
Moderiert wurde die Veranstaltung von der GRÜNEN Landtagsabgeordneten Kerstin Celina. Zu Gast waren Dr. Janina Zirkel, Internistin und Infektiologin am Universitätsklinikum Würzburg, die Global-Health-Beraterin Dr. Christa Kasang und der Würzburger Landtagsabgeordnete Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung.
„Gesundheit hängt nicht nur davon ab, was im Krankenhaus oder in der Arztpraxis passiert. Auch das soziale Umfeld und die Umwelt beeinflussen gesundheitliche Risiken“, betonte Celina. Hitze treffe nicht alle Menschen gleichermaßen. Besonders gefährdet seien unter anderem ältere Menschen, Kleinkinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen und eingeschränkter Mobilität.
Frischluftschneisen sind Gesundheitsvorsorge
Patrick Friedl erläuterte, dass Klimaanpassung bereits bei der Stadt- und Gemeindeplanung beginnen müsse. Gerade für Würzburg seien Frischluftschneisen wichtig, damit kühlere Luft in aufgeheizte Stadtbereiche gelangen könne. Auch Bäume, Grünflächen, Entsiegelung und Schatten seien zentrale Maßnahmen.
Wie dringend das Thema ist, zeigt der Blick nach Kitzingen: Temperaturrekorde, 39,1 Grad – und wegen hoher Gebäude bei den Marshall Heights kommt zu wenig kühlende Luft in die Stadt. „Wir können nicht davon ausgehen, dass es wieder dauerhaft kühler wird“, so Friedl. Klimaanpassung müsse deshalb bei Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und öffentlichen Plätzen mitgedacht werden.
Von globalen Erfahrungen lernen
Dr. Christa Kasang brachte die internationale Perspektive ein. Die Corona-Pandemie und Ausbrüche wie das Marburg-Virus in Tansania zeigten, wie wichtig Früherkennung, lokale Gesundheitsstrukturen und gut ausgebildetes Personal seien. Resilienz bedeute, Gesundheitskrisen möglichst früh zu erkennen und handeln zu können.
Gleichzeitig könne Deutschland von Regionen lernen, die schon lange mit Hitze und Wasserknappheit umgehen. Verschattung, Bäume, natürliche Belüftung, Regenwasserspeicherung und dezentrale Gesundheitsversorgung seien dort vielfach selbstverständlich. „Wir können nicht nur Wissen exportieren – wir können auch von anderen lernen“, so Kasang.
Gesundheitsschutz beginnt vor der Haustür
Dr. Janina Zirkel machte deutlich, dass Klimawandel nicht nur Hitzebelastung bedeutet. Auch Allergien, Pollenbelastung und die Verbreitung von Krankheitserregern können sich verändern. Klimasensible Beratung müsse deshalb stärker Teil der medizinischen Ausbildung und Versorgung werden.
Für den Alltag empfahlen die Fachleute: ausreichend trinken, körperliche Anstrengung in kühlere Tageszeiten verlegen, direkte Sonne vermeiden, nachts lüften und tagsüber Räume verschatten. Wichtig sei auch, während Hitzeperioden nach älteren oder alleinlebenden Menschen zu sehen.
In der Diskussion mit dem Publikum ging es schließlich um konkrete Maßnahmen für Kürnach: mehr Bäume und Schattenplätze, Trinkwasserstellen, entsiegelte Flächen, begrünte öffentliche Räume und kühle Aufenthaltsorte. Auch Schulen müssten für Hitzewellen besser vorbereitet werden.
Für Celina ist klar: „Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Menschen gesund durch die Veränderungen kommen, die bereits da sind.“ Klimaanpassung beginne deshalb ganz konkret vor der eigenen Haustür – mit Schatten, Grün, Frischluft, kühlen Räumen und einem Gesundheitssystem, das sich auf veränderte Bedingungen einstellt.