Am 24.2. war der vierte Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine. Die Kitzinger Grünen haben bei einer Mahnwache der Opfer gedacht. Hans Plate und Julian Glienke waren selbst in der Ukraine und sind wieder zurückgekehrt. Von binnen weniger Tage gesammelten Spenden in Höhe von 1800 € und dank der Übernahme des Restbetrages von 480 € durch die Abtei Münsterschwarzach, wurden drei große Powerstations im Wert von je 749 € (+ eine für den Transport mit der Bahn notwendige Aluminium-Sackkarre für 33 €) besorgt und an das Basilius-Lyzeum sowie den Kindergarten in Ivano-Frankivsk übergeben.
Abschließend noch ein paar Eindrücke von der Reise von Julian Glienke: Wir hatten Glück und haben weder Drohnenalarm noch Strom- und Heizungsausfälle erlebt. Zwar gibt es auch in der Westukraine Angriffe auf die Energieinfrastruktur, die Städte aber sind unzerstört. Spuren von Drohnenangriffen haben wir nur am Kraftwerk Burschtyn 35 km von Ivano-Frankivsk entfernt gesehen, das wir auf der Reise passierten, sowie an einer Industrieanlage bei Lviv. Die Menschen bewegen sich ständig auf dem Grat zwischen Alltagsnormalität der Realität des Krieges. Sie gehen ihrer Arbeit nach, Kinder gehen in die Schule (jedenfalls in der Westukraine, während in der Ostukraine an vielen Orten nur Onlineunterricht stattfindet), die schönen Cafés und Restaurants haben geöffnet; und auf der anderen Seite gibt es immer wieder Alarm, bei dem manche einen Schutzraum aufsuchen, manche einfach weitergehen; und eine lange Galerie in der Innenstadt mit hunderten von Bildern führt vor Augen, wie viele Männer aus Ivano-Frankivsk an der Front schon gefallen sind. Durch den Zuzug vieler Binnenflüchtlinge sind die Städte der Westukraine gewachsen, während beispielsweise die Millionenstadt Charkiv im Osten angeblich die Hälfte der Einwohner verloren hat.
Wir waren beeindruckt, wie modern die Ukraine ist, bei der Digitalisierung ist man dort schon weiter als bei uns. Auch diese dient der Bewältigung der Kriegsrealität – so zeigt eine Warn-App an, in welchen Gebieten es aktuell Drohnenalarm gibt. Und wir waren beeindruckt von der Kreativität der Menschen, die an vielen Stellen sichtbar wird und wahrscheinlich eine entscheidende Ressource ist, um in der bedrängten Situation bestehen zu können. Kreativität und Eigeninitiative haben in der Ukraine Raum (im Gegensatz zu Russland) – das gilt sowohl für die Startups, die ständig neue Drohnen entwickeln, als auch im Wirtschaftsleben und in der Gastronomie. Wir haben kaum jemals in einer Stadt so viele originell und geschmackvoll gestaltete Cafés und Restaurants gesehen, einschließlich guten Essens, wie in Lviv und Ivano-Frankivsk.
Die Westukraine ist, so unser Eindruck, durch und durch europäisch, Russland ist weit weg. Die Region gehörte jahrhundertelang zu Österreich-Ungarn und zu Polen. So sehr die Menschen auch unter dem Krieg leiden, die Kapitulation ist für niemanden eine Option, über die man auch nur ansatzweise nachdenken würde. Die Menschen wollen zu Europa gehören, sie wollen ihre eigene Sprache sprechen und frei sein. Sie haben weiterhin unsere Unterstützung und Solidarität verdient. Als wir losfuhren, waren wir unsicher, was wir angesichts des Krieges dort erleben würden. Wir sind allerdings mit veränderter Haltung zurückgekehrt und sind begeistert vom Selbstvertrauen, Pragmatismus und dem Zukunftsglauben der Menschen, denen wir begegnen durften! Die Ukraine ist auf jeden Fall wieder eine Reise wert – beim nächsten Mal hoffentlich im Frieden!
Herzliche Grüße
Julian Glienke & Hans Plate

