Mit einem voll besetzten digitalen Tagungsraum und einem dicht gepackten Programm haben die unterfränkischen Grünen am vergangenen Samstag, 25. April 2026, ihren ersten Bezirksparteitag des Jahres abgehalten. Wenige Tage vor dem Beginn der neuen kommunalen Legislaturperiode stand der Tag ganz im Zeichen der Vorbereitung der frisch gewählten Gemeinde-, Stadt- und Kreisrätinnen und -räte auf ihre kommenden sechs Jahre.
Erstmals fand der Bezirksparteitag in einem neuen, offenen Format statt: Nicht nur Delegierte, sondern alle rund 3.000 Mitglieder des Bezirksverbands waren eingeladen, sich digital zuzuschalten. „Es startet ja übernächste Woche die neue Legislaturperiode, und wir wollten gerade unsere neuen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger möglichst gut vorbereitet in diese Periode hineinschicken“, erklärte die Bezirksvorsitzende Simone Artz zur Eröffnung. Gemeinsam mit ihrem Co-Vorsitzenden Volker Goll moderierte sie durch den Nachmittag.
Als Gastredner konnte der Bezirksverband Johannes Becher gewinnen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag und langjähriger Stadt- und Kreisrat in Moosburg. In seinem Impulsvortrag zum Thema „Umgang mit schwierigen Partnerinnen und Partnern“ plädierte Becher dafür, den Blick für Partnerschaften zu weiten – über das eigene Gremium hinaus, hin zur Verwaltung, zur Zivilgesellschaft und zu Bürgerinitiativen. Politische Mehrheiten würden selten in den Sitzungen selbst, sondern im persönlichen Austausch gewonnen, etwa beim Bier-, Wein- oder Volksfest. Sein Appell an die neuen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger: gut vorbereitet sein, Erwartungen realistisch halten, sich kleine Erfolge bewusst machen – und gegenüber demokratiefeindlichen Kräften wie der AfD klare Kante zeigen.
Ein zweiter Schwerpunkt galt der Vorstellung von GRIBS – Grüne Räte in bayerischen Städten und Gemeinden. Bezirksrätin Christina Feiler, frisch berufene GRIBS-Botschafterin für Unterfranken, gab einen Überblick über die vielfältigen Beratungs-, Fortbildungs- und Vernetzungsangebote des kommunalpolitischen Verbands und ermutigte alle Aktiven, diese Strukturen für die eigene Arbeit zu nutzen.
Im Mittelpunkt des Nachmittags standen anschließend zahlreiche Kurzimpulse erfahrener Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker aus Unterfranken und darüber hinaus. Sebastian Hansen, neu gewählter Bürgermeister von Waldbüttelbrunn, und Michael Burger, neu gewählter Bürgermeister von Bergtheim, berichteten von ihren Wegen zum Wahlsieg – mit dem klaren Befund, dass intensiver Haustürwahlkampf, ehrenamtliche Verankerung und ehrliche Kommunikation entscheidend seien. Susanne Cimander aus Höchberg sprach über Sichtbarkeit vor Ort, Bezirksrätin Bärbel Imhof aus Lohr am Main über die oft unterschätzte Macht der Geschäftsordnung. Sabine Rhein aus Bad Königshofen widmete sich dem souveränen Umgang mit Anfeindungen, Kim Davey aus Haßfurt der Frage, wie man als kleine Fraktion oder Einzelkämpferin Mehrheiten gewinnt, und Sylvia Hein aus dem Landkreis Aschaffenburg gab Einblicke in gelingende Fraktionsarbeit. Elisabeth Hafner-Seidl aus Perlesreuth in Niederbayern stellte das „Perlesreuther Modell“ vor – eine enge Tandem-Zusammenarbeit zwischen Mandatsträgerin und Ortsverband, die auch Einzelkämpferinnen im Rat handlungsfähig macht. Jonas Turber, Sprecher der Grünen Jugend Bayern, ergänzte das Programm mit praktischen Tipps zur Organisation von Demonstrationen und Kundgebungen.
Bezirksvorsitzender Volker Goll richtete in seinem eigenen Beitrag den Blick auf die strategische Aufgabe der kommenden Jahre: „Grün verwurzelt in der Fläche“. Wahlergebnisse seien dort am besten, wo Grüne als Personen sichtbar und in Vereinen, Feuerwehren und im Ehrenamt verankert seien. Gerade die AfD versuche derzeit gezielt, Lücken im ländlichen Raum zu füllen – dem müssten die Grünen aktiv etwas entgegensetzen. „Jeder grüne Stammtisch, jede Ortsgruppe, alle Mandatsträgerinnen und Mandatsträger sind quasi ein aktiver Einsatz für die Demokratie“, so Goll.
Im zweiten Teil des Nachmittags vertieften die Teilnehmenden die einzelnen Themen in parallelen Arbeitsgruppen. Begrüßt wurden auf dem Bezirksparteitag unter anderem auch der Würzburger Landtagsabgeordnete Patrick Friedl sowie die unterfränkischen Bezirksrätinnen und -räte Christina Feiler, Bärbel Imhof und Gerhard Müller.
„Wir haben heute eine geballte Ladung Erfahrung aus allen Ebenen grüner Kommunalpolitik zusammengebracht“, zogen die beiden Bezirksvorsitzenden Simone Artz und Volker Goll am Ende ein zufriedenes Fazit. „Unsere neuen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger gehen damit gut gerüstet in eine Legislaturperiode, in der grüne Kommunalpolitik vor Ort wichtiger ist denn je.“
Pressekontakt: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Bezirksverband Unterfranken Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit Dirk Simon: pressesprecher-in@gruene-unterfranken.de.